Erste Station Jessen: Wir-Gefühl in Sachsen-Anhalts Osten

Auf unserer Grenzreise erkunden wir Sachsen-Anhalt von seinen Grenzen aus, lernen Land und Leute kennen, besuchen Regionen, die nicht im Mittelpunkt stehen, entdecken Verbindungen zu unseren Nachbarländern und sind unversehens mittendrin in der wechselvollen Geschichte.

Foto von Caroline Vongries
Von Caroline Vongries, Redaktionsleiterin von Zeit für Sachsen-Anhalt

Es geht dabei um das, was uns in diesem Land ausmacht, um Zusammenhalt und Vielfalt. Die erste Station ist Jessen. Caroline Vongries hat den östlichsten Landkreis mit Zug, Bus, Fahrrad und zu Fuß bereist.

Bisher war für mich Sachsen-Anhalt hinter Wittenberg zuende. Dahinter kam dann später Brandenburg. Schon um die eigene Wissenslücke zu schließen, muss ich jetzt nach Jessen. Meine Reise beginnt unverhofft im Ägyptischen Museum in Leipzig. Bei einer Buchpremiere entpuppt sich meine Sitznachbarin als Jessenerin und gibt mir erste Tipps. Mir fällt auf, wie engagiert und emotional sie von ihrer ursprünglichen Heimat spricht.

Jessen liegt 30 Kilometer östlich von Wittenberg im Dreibundesländereck. Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt. Eine Kulturlandschaft, verbunden durch ihre Geschichte und durch zwei Flüsse. Heute ist Elbe-Elsteraue ein länderübergreifender Bund von acht Städten. Die Region Jessen gehört freiwillig zu Sachsen-Anhalt. Die DDR-Administration hatte Jessen dem Bezirk Cottbus zugeschlagen. 1990 wurde abgestimmt, die Jessener entschieden sich (als einzige) für die Zugehörigkeit zu Sachsen-Anhalt. Wichtig zu wissen: Jessen ist nicht allein Jessen. 44 gut erhaltene, auf ihre Identität bedachte Ortsteile gehören zur Einheitsgemeinde, die mit 351,95 Quadratkilometern flächenmäßig eine der größten des Landes ist. Die Kernstadt zählt 6500 Einwohner. „Miteinander und füreinander etwas zu tun ist die Voraussetzung dafür, lebenswerte Ortsteile zu bewahren und weiter zu entwickeln.“ Bürgermeister Michael Jahn wünscht sich auch von der Landesregierung mehr Miteinander und, dass die Versprechen, den ländlichen Raum zu stärken, eingehalten werden.

Jessen liegt zwischen Magdeburg, Dresden, Berlin. Am 4. Juli 1875 fuhr die erste Bahn hier ein. Das hat die Wirtschaft angekurbelt und der Stadt einen mächtigen Schub gegeben. Eigentlich sollte die Bahnlinie ja durch das benachbarte, damals bedeutendere Schweinitz gehen, doch die Schweinitzer sagten nein und waren fortan abgehängt. Heute ist die ehemalige Kreisstadt ein Stadtteil von Jessen. Wie auch das ehemals bedeutende Amt Seyda. Wirtschaftlich geht es der Stadt nicht schlecht. „Wir sind zwar keine Premiumregion“, sagt Bürgermeister Michael Jahn, „aber wir können zufrieden sein.“ Schwerpunkte liegen neben dem Agrarbereich in der Nahrungsmittelindustrie, im Baugewerbe und in der Metallverarbeitung.

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Foto: © Bildarchiv der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

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