Eine Kulturzeitschrift für Sachsen-Anhalt

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Caroline Vongries, Redaktionsleiterin Zeit für Sachsen-Anhalt

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Kulturzeitschrift für Sachsen-Anhalt – ausgerechnet! Ich höre schon die Witzbolde Anlauf nehmen. Dabei ist gerade Sachsen-Anhalt ein Kulturland, und das nicht bloß im War-war-war-Modus. Wozu Kultur? Haben wir nicht andere Probleme? Ja, haben wir. Gerade deshalb. Natürlich reicht es nicht, Welterbestätten zu zählen und historische Persönlichkeiten zu beschwören. Wenn es auch eine erfreuliche Entwicklung ist, dass 70 Prozent der Touristen wegen der Kultur zu uns kommen. Sachsen Anhalt ist ein Land, in dem wir selbst gefragt sind. Eigene Wege zu gehen. Auf eigenes Risiko. Es ist Zeit für Sachsen-Anhalt, Zeit, hier und jetzt etwas zu wagen, wie einst das Bauhaus in Dessau, Heinrich I. in Quedlinburg, Otto in Magdeburg, Uta von Naumburg, Fürst Franz und Co, die Sie in unserem Heft ebenso finden wie Stimmen heutiger Landeskinder. Größer zu denken, ist uns zuzutrauen. Dabei unaufgeregt zu bleiben, haben wir gelernt. Das Land ist besser als sein Ruf. Zeit für Sachsen-Anhalt meint – mit Vaclav Havel – „die Kultur von allem“. Das lateinische Verb colere bedeutet: bebauen, im Sinne von Ackerbau betreiben, pflegen, kultivieren. Wenn das nicht in das Land der guten Böden passt. Cultus meint gegenüber natura das von menschlicher Hand Geschaffene, Gestaltete, ein zutiefst menschliches Vermögen also. Und es hat mit Freiheit zu tun. Cultus bezeichnet zudem das, was wir bewohnen, wofür wir Sorge tragen, was wir wertschätzen, feiern. Es gibt eine Kultur des Erfolges genauso wie des Scheiterns, Arbeitskultur wie Lebenskultur, Wohnkultur, Gesellschaftskultur, politische Kultur. Letztere wird verzweifelt gesucht. Kultur hat auch mit Würde zu tun. Gerade hierzulande, wo die Unternehmen nur selten in den Himmel wachsen, zählt die Frage: Welche Wirtschafts- und Wissenschaftskultur wollen wir? Damit können wir punkten. Im naturwissenschaftlichen Labor sind Kulturen die Grundlage dafür, dass sich überhaupt etwas Neues bilden kann. Das Land hat mächtig Fahrt aufgenommen. Einst war es der Frosch unter den Bundesländern – wohlan, er hat sich küssen lassen! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Anregung und Zeit für Sachsen-Anhalt.

Ich freue mich auf Ihre Resonanz.

Ihre Caroline Vongries