Dessau-Wörlitz: Sinneserweckungsland – Spazierwege, die zum inneren Menschen führen und in eine bessere, schönere Welt

Manchmal verändert ein Einzelner die Welt zum Guten. Fürst Franz von Anhalt-Dessau war so einer. Er gestaltete sein Land und hinterließ ein „Gartenreich“. Das ist so einmalig und besonders, dass es zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Porträtfoto von Uta Baier
Uta Baier, Autorin für "Zeit für Sachsen-Anhalt". Sie arbeitet als freie Journalistin mit Schwerpunkt Kultur und Kulturpolitik.

Doch wie baut man ein Land? Und wie baut man heute daran weiter? Eine Spurensuche zwischen Apfelbäumen, Schlössern, Gondel fahrenden Besuchern und bei der Hüterin von 142 Quadratkilometern Land, auf dem wohl auch „glänzende Rennbahnen der Jugend“ zu finden sind. [...]

Schloss Wörlitz ist nicht nur ein großartiges Schloss – es ist das erste klassizistische Bauwerk in Deutschland überhaupt. Fürst Franz verflocht die Schlossgärten mit der Landschaft und schuf so ein Gesamtkunstwerk, das seit dem Jahr 2000 den Titel Unesco-Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz trägt. Damit stehen die Felder und Wälder, die Dämme, Alleen und Gärten, die Schlösser und ihre Kunstsammlungen, die Brücken, Kirchen, Gartenarchitekturen in einer Reihe mit den Pyramiden von Gizeh, der Chinesischen Mauer, der Freiheitsstatue vor New York, mit dem alten Rom und mit Venedig, um nur einige zu nennen.

Reisende rühmten einst nicht nur den guten Zustand der Straßen im ganzen Land, sie waren begeistert von Gärten und Apfelbaumalleen. Fachleute lobten die neuartige Stallfütterung, den Kleeanbau als Futtervorrat. Die Intellektuellen hinterließen Lobeshymnen. Das Klima der Toleranz und der Offenheit für Neues wirkte auf das ganze Land, dessen Zentrum Dessau war. Der Schriftsteller und Kulturhistoriker Norbert Eisold schreibt in seinem Buch „Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Der Traum von der Vernunft“ von 30 neuen Journalen, die in Dessau in den 1780er Jahren existierten, darunter „Sulamith“, die erste jüdische Zeitschrift in deutscher Sprache. Zwei neu gegründete Verlage existierten zwar nur je vier Jahre, doch in dieser Zeit publizierten dort 200 Autoren 800 Titel. Goethe, in Weimar selbst am Aufbau eines Landes beteiligt, lobte Anhalt-Dessau geradezu überschwänglich: „Hier ists jetzt unendlich schön. Mich hats gestern Abend wie wir durch die Seen, Kanäle und Wäldchen schlichen, sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen.“ Das kann der Reisende an der Wand der herrlich-rumpelnden Dessau-Wörlitzer-Eisenbahn auf dem Weg nach Wörlitz, ins Gartenreich lesen.

 

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“ - Präambel zur Verfassung der Unesco von 1945

 

Dessen aktuelle Herrin ist Brigitte Mang, Direktorin der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz. Die Wiener Landschaftsarchitektin ist schon von Berufs wegen fasziniert vom Gartenreich, zu dessen von der Unesco als schützenswert bezeichneten Kerngebiet heute 142 Quadratkilometer Sachsen-Anhalt gehören. Brigitte Mang formuliert ihr Lob auf das Bestehende als Aufgabe für die Zukunft: „Ich finde es faszinierend, dieses klassizistische Bauen der Moderne mit all seinen Modernisierungen, seinen technischen Details, mit Land-, und Forst- und Viehwirtschaft, mit dem Obstbau und mit dem Engagement Franz von Anhalts für Bildung und für ein neues Denken, in ein Europa des 21. Jahrhundert mitzunehmen.“ ...

 

Foto: Bildarchiv der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz

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